KUNSTHALLE TÜBINGEN
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AUSSTELLUNGEN IM JAHR 2010

SCHRIFTGRÖSSE 12 

Thomas Florschuetz

Imperfekt

17. Juli bis 26. September 2010

Ein abgewrackter Helikopter, überflügelt von einem Bündel braun gefleckter Bananen; das Rund einer antiken Arena neben einer Roten-Beete-Knolle; ein kopfloses Reiterstandbild und ein abgetrennter Eselskopf an einer Wand; vier runde Lüster, begleitet von zwei Orangen: Thomas Florschuetz schert sich bei der Anordnung seiner Bilder in der Kunsthalle Tübingen nicht um inhaltliche Stringenz. Vielmehr bestimmen visuelle Bezüge und ästhetische Assoziationen die Hängung der großformatigen Arbeiten des Berliner Fotokünstlers. Und doch beherrscht ein Grundtenor die Schau seiner Hauptwerke aus den Jahren zwischen 1997 und 2010. Es ist die Architektur, die den roten Faden durch die Ausstellungsräume spinnt.

So sind Florschuetz' Werkgruppen zu Le Corbusiers Wallfahrtskirche in Ronchamp, zu Oscar Niemeyers Bauten in Brasília, zur Residenz des Deutschen Botschafters in London oder zu seinem Atelierfenster zu sehen, und immer wieder Unvollendetes oder Zerstörtes: David Chipperfields Umbaustelle des Neuen Museums, der Abrisstorso des Palasts der Republik, eine Vandalismusruine im kalifornischen Wonder Valley und die römischen Siedlungsreste im israelischen Bet Sche'an. Zwischendrin treten Variationen, Abweichungen und Störungen des architektonischen Themas in den Vordergrund: duftig zarte Orchideenblüten etwa, ähnlich anmutige Details von ausgedienten Kampfjets und Hubschraubern in einer Wüste in Arizona, oder die Nahaufnahme einer Roten-Beete-Knolle und andere überraschende Kontrapunkte. Die dokumentarische Eindeutigkeit, die dem Medium der Fotografie von jeher zugeschrieben wird, finden die durch die Kunsthalle Tübingen flanierenden Besucher nicht wieder. Stattdessen werden sie beim Gang durch Florschuetz' visuelle Kompositionen eine geradezu musikalische Rhythmizität und eine schillernde Vieldeutigkeit erleben, die jeden Interpretationsspielraum offen lassen.

Schärfe, Unschärfe, Spiegelung und Fragmentierung sowie die Zusammenfügung von Teilansichten zu mehrteiligen Ensembles gehören zu den Verfremdungseffekten, die sich der 1957 in Zwickau geborene Thomas Florschuetz im Laufe seiner bemerkenswerten Karriere erarbeitet hat. Der international herausragende Vertreter deutscher Fotografie hat sich sein künstlerisches Können autodidaktisch in Karl-Marx-Stadt angeeignet, wo er aufwuchs. Nachdem er sich 1981 der Ostberliner Künstlerszene angeschlossen hatte, experimentierte er mit Selbstakten, die er zu absurden Ensembles fügte. Mit diesen Arbeiten gewann er überraschend 1987 den Preis für junge europäische Fotografie in Frankfurt am Main. Anschließend übersiedelte er nach Westberlin. Ab 1993 schuf er mittels Durchleuchtung von Körperteilen Bilder von abstrakter Qualität. Ab 1997 setzte er sein Atelierfenster als ein die Außenwelt brechendes Kaleidoskop ins Bild. Bis zur Jahrtausendwende entstanden Blumen- und Vorhangbilder. Seitdem befasst er sich mit Architektur. Die Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen vereint erstmals eine Auswahl dieser jüngeren Werkgruppen zu einem umfassenden Überblick.

Täglich (außer Montag)
11.00 bis 18.00 Uhr
Regulär: 5 €
Ermäßigt: 3 €
Schüler: 1 €

Öffentliche Führungen
jeden Samstag, 15.00 Uhr
Teilnahmegebühr pro Person: 2,50 € zzgl. Eintritt

Führungen nach Voranmeldung
Dienstag bis Freitag: 50 €
Samstag, Sonn- und Feiertag: 60 €
Telefon 07071 / 96 910 (vormittags)

Führungen für Schulklassen
(45 Min.): 38 € zzgl. Eintritt
mit Kunstpraxis (90 Min.): 55 € zzgl. Eintritt und 1 € Materialkosten pro Schüler

Weitere Sonderführungen finden Sie unter Begleitprogramm!

Sonntag, 25. Juli, 11 bis 12.30 und 13.30 bis 16 Uhr
Fotografieren mit Dorothea Kümmerer und Fany Fazii
Bei einem Rundgang durch die Ausstellung mit Dorothea Kümmerer wird der Blick für die Kompositionsprinzipien von Thomas Florschuetz geschärft. Anschließend gibt Fany Fazii eine Einführung in die Technik der Fotografie. Nach einer Mittagspause begleitet die Tübinger Fotografin die Kursteilnehmer in den nahe gelegenen Botanischen Garten und berät sie dort fachkundig beim Fotografieren. Eine Auswahl der in dem Kurs entstandenen Bilder wird im Schwäbischen Tagblatt abgedruckt. Bitte bringen Sie einen Fotoapparat mit.
Für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren
Teilnahme 12,50 Euro, zzgl. Eintritt

Dienstag, 17. August, 17 bis 18.30 Uhr
Rundgang mit Andrea Richter
Inmitten der Ausstellung gibt Andrea Richter, Mitorganisatorin und Katalogautorin der Ausstellung, exklusive Einblicke in die Entstehung der Werkschau und den kunsthistorischen Kontext der Arbeiten.
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Tübingen.
Teilnahme inkl. Eintritt 7,50 Euro
zu buchen über www.vhs-tuebingen.de, Sommer-VHS, Kurs.-Nr. 20312

Samstag, 18. September, 15 Uhr
Gespräch mit Thomas Florschuetz
In dem von Daniel J. Schreiber geführten Gespräch mit Thomas Florschuetz erfahren Sie aus erster Hand mehr über Leben und Werk des Künstlers.
Teilnahme 2,50 Euro, zzgl. Eintritt

Sonntag, 26. September, 15 Uhr
Florschuetz-Quiz
Zur Finissage führt Daniel J. Schreiber ein letztes Mal durch die Ausstellung. Im Anschluss daran können bei einem Quiz Preise gewonnen werden, etwa der Ausstellungskatalog, Poster oder Eintrittskarten.
Teilnahme kostenlos, regulärer Eintritt

Thomas Florschuetz. Imperfekt, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2010, hg. v. Daniel J. Schreiber, mit Beiträgen von Dieter Bartetzko, Johannes Meinhardt, Andrea Richter und Daniel J. Schreiber
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