KUNSTHALLE TÜBINGEN
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AUSSTELLUNGEN IM JAHR 2010

SCHRIFTGRÖSSE 12 

Rainer Fetting

Manscapes

2. Oktober bis 5. Dezember 2010

Nachdem zum Jahresanfang mit der Mel-Ramos-Retrospektive der weibliche Akt Thema in der Kunsthalle Tübingen war, steht nun mit der großen Werkschau von Rainer Fetting sein Gegenstück im Mittelpunkt. Wie die Ausstellung an Hauptwerken belegt, hat Fetting das Thema der Männerbilder von 1974 an bis heute konsequent verfolgt.

In Folge der Antikenrezeption galt der männliche Akt lange als Inbegriff der Schönheit. Erst im 20. Jahrhundert sind Männerbilder als Reaktion auf die politisch instrumentalisierten Heldendarstellungen totalitärer Regime ins Abseits geraten. In den 1970er Jahren beginnt, zeitgleich mit einer breiteren Akzeptanz homosexueller Lebenskultur, das Bild des schönen Mannes wieder Eingang in die Kunst zu finden.

Einer der international profiliertesten Vertreter dieser Renaissance des Männlichen ist Rainer Fetting, der als Mitbegründer der Kreuzberger Galerie am Moritzplatz und Hauptvertreter der „Neuen Wilden" Ende der 1970er Jahre Berühmtheit erlangt. Seine intensiven Kontakte zu der amerikanischen Kunstszene und nach New York, wo er zwischen 1983 und 1994 lebt, sind in der Ausstellung durch ein Bild von Andy Warhol und eine Fotografie von Robert Mapplethorpe aus seinem Besitz belegt. Fettings teils sehr großformatigen, virtuosen Gemälde in der Kunsthalle Tübingen machen deutlich, dass der Künstler das Thema der Männerbilder von 1974 an bis heute konsequent verfolgt. Es ist sein Verdienst, die verschiedenen Facetten männlicher Erotik und Identität ins Bild gesetzt zu haben: das klassische Sujet des badenden Jünglings, die im antikischen Kontrapost stehende Figur, den tragischen Filmhelden, den sanften Mann mit Blumenstrauß, den gefährlichen Gangster, das küssende Paar oder Selbstbildnisse, mal in Cowboy-Manier, mal in Fummel. Immer wieder treten die Körper auch in die Kontexte von Stadt und Natur oder verwandeln sich mit ihren modellierten Muskelbergen gar selbst in eine Landschaft.

Auch Frauen dürfen bei Fettings Männerbildern nicht fehlen, etwa Kate Moss an der Seite von Pete Doherty oder ein monumentales weibliches Kopfbild, das als Ruhepol zwischen kraftvollen Ganzkörperakten fungiert. Drei Bronzeplastiken, darunter eine aus der berühmten Willy-Brandt-Serie, dokumentieren überdies, dass Fetting sich auch als Bildhauer einen Namen gemacht hat. Das malerische Werk des heute 60-jährigen Künstlers ist gleichermaßen geprägt durch den amerikanischen, abstrakten wie durch den deutschen, figurativen Expressionismus: Aus den Spuren eines gestisch geführten Pinselschlages kristallisieren sich immer wieder präzise gesetzte malerische Illusionen heraus.

Auch die pop-art-typische Verzahnung von hoher und niedriger Kunst ist in seinem Werk lebendig: Neben Alltagsszenen und massenmedialen Motiven finden sich Anklänge an Velázquez, Turner, Hopper, Rothko oder De Kooning. In jedem Fall zeugen Fettings Bilder von sinnlicher Appetenz, emotionaler Authentizität und einer hohen kompositorischen Reflektiertheit. MANSCAPES in der Kunsthalle Tübingen ist eine Themenausstellung, und zugleich viel mehr als das: ein spezifischer Querschnitt durch das überaus breite und freilich noch unvollendete Lebenswerk eines großen deutschen Malers der Gegenwart.

Rainer Fetting wird am 31. Dezember 1949 in Wilhelmshaven geboren. Er studiert an der Hochschule der Künste in Berlin bei Hans Jaenisch Malerei. Berühmt wird er ab 1977 als Mitbegründer der legendären Galerie am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg. Sie bildet die Keimzelle der Bewegung der „Neuen Wilden", zu deren Hauptvertretern Fetting zählt. Ab 1983 lebt der Künstler hauptsächlich in New York. 1994 kehrt er zurück nach Berlin. 1996 gestaltet er für die SPD-Zentrale in Berlin eine Portraitplastik Willy Brandts, die Fetting auch als Bildhauer bekannt macht.

Täglich (außer Montag)
11.00 bis 18.00 Uhr
Regulär: 5 €
Ermäßigt: 3 €
Schüler: 1 €

Öffentliche Führungen
jeden Samstag, 15.00 Uhr
Teilnahmegebühr pro Person: 2,50 € zzgl. Eintritt

Führungen nach Voranmeldung
Dienstag bis Freitag: 50 €
Samstag, Sonn- und Feiertag: 60 €
Telefon 07071 / 96 910 (vormittags)

Führungen für Schulklassen
(45 Min.): 38 € zzgl. Eintritt
mit Kunstpraxis (90 Min.): 55 € zzgl. Eintritt und 1 € Materialkosten pro Schüler

Weitere Sonderführungen finden Sie unter Begleitprogramm!

Donnerstag, 14. Oktober;
Donnerstag, 21. Oktober;
Dienstag, 2. November;
Dienstag,16. November;
Dienstag, 23. November;
Donnerstag, 25. November;
jeweils 19 Uhr
NIPPLEJESUS
Ein Theaterstück des Landestheaters Tübingen in der Kunsthalle Tübingen von Nick Hornby; mit Martin Molitor; Regie: Udo Rau
Wegen des großen Erfolges während der Ramos-Ausstellung wird die Aufführung des Ein-Mann-Stücks in der Kunsthalle Tübingen wieder aufgenommen. Martin Molitor lässt die Zuschauer teilhaben an den Höhen und Tiefen aus dem Leben eines Museumsaufsehers, der eine aus Brustwarzen collagierte Christusfigur zu bewachen hat. Der Text NIPPLEJESUS wurde entnommen aus Speaking with the Angel, herausgegeben von Nick Hornby, Köln 2001. Erlöse gehen an den Treehouse Trust, London. Eintritt: 20 Euro, ermäßigt 10 Euro
Vorverkauf unter www.landestheater-tuebingen.de, Tel. 0 70 71 / 9 31 31 49 sowie an der Vorverkaufskasse des Landestheaters Tübingen.

Dienstag, 19. Oktober, 16.30 Uhr
Führung mit dem Kurator
Führung von Daniel J. Schreiber durch die Ausstellung mit Berichten über die Hintergründe ihrer Entstehung sowie das Leben, das Werk und die Bedeutung Rainer Fettings. In Kooperation mit der Volkshochschule Tübingen
Teilnahme inkl. Eintritt pro Person: 7,50 Euro
zu buchen über www.vhs-tuebingen.de, Kurs-Nr. 10335

Mittwoch, 27. Oktober, 15 Uhr
Rundgang mit Pater Friedhelm Mennekes
Der durch sein Gespräch mit Joseph Beuys und seine zur Kunststation umgebaute Gemeindekirche St. Peter in Köln bekannte Jesuitenpater führt im kunsthistorisch-theologischen Dialog mit Daniel J. Schreiber durch die Ausstellung.
Teilnahme 2,50 Euro, zzgl. Eintritt

Dienstag, 9. November, 19 Uhr
Beau Travail - Filmvorführung im Rahmen der Französischen Filmtage
Regie: Claire Denis, Frankreich, 90 min
Film über französische Fremdenlegionäre, der wegen seiner großartigen nordafrikanischen Wüstenpanoramen und seiner packenden Choreographien voll männlicher Sinnlichkeit hoch gelobt wird.
Eintritt 7,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro

Mittwoch, 17. November, 18 bis 21 Uhr
Aktzeichnen mit Frido Hohberger
Ein Kurs des Zeicheninstituts der Universität Tübingen in den Ausstellungsräumen der Kunsthalle Tübingen für alle, die nach Aktmodell zeichnen möchten. Bitte bringen Sie einen Zeichenblock, eine Unterlage sowie Bleistifte mit.
Teilnahme kostenlos, regulärer Eintritt

Donnerstag, 18. November, 16 Uhr
Führung mit Walter Springer und Frido Hohberger
Eine künstlerisch-kunsthistorische Führung in Zusammenarbeit mit dem Zeicheninstitut der Universität Tübingen.
Teilnahme kostenlos, regulärer Eintritt

Sonntag, 5. Dezember, 15 Uhr
Fetting-Quiz
Zur Finissage führt Daniel J. Schreiber ein letztes Mal durch die Ausstellung. Im Anschluss daran können bei einem Quiz Preise gewonnen werden, etwa der Ausstellungskatalog, Poster oder Eintrittskarten.
Teilnahme kostenlos, regulärer Eintritt

MANSCAPE. Rainer Fetting, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2010, hg. v. Daniel J. Schreiber, mit Beiträgen von Thomas Wagner und Travis Jeppesen
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