Befragt danach, wie er seine aktuelle Werkphase, die in der Ausstellung Evan Penny. Re Figured erstmals umfassend gewürdigt wird, in einem Satz beschreiben würde, sagt der 1953 in Südafrika geborene kanadische Künstler: „Ich versuche meine Skulpturen irgendwo zwischen zwei unterschiedlichen Weisen der Wahrnehmung unserer selbst anzusiedeln: der Wahrnehmung in Raum und Zeit sowie der Wahrnehmung mittels medialer Bilder." In diesen Zwischenwelten lässt er hybride Wesen entstehen, welche durch die fotografische Präzision ihrer Oberflächen und ihr körperliches Eindringen in unseren Lebensraum den Betrachter überwältigen. Sie konfrontieren uns mit den Deformationen des Menschenbildes unseres Medienzeitalters. Jede Skulptur stellt ein materialisiertes Gedankenexperiment dar, das der Künstler selber so formuliert: „Was würde passieren, wenn ich eine Entstellung des menschlichen Körpers, welche uns im Kontext medialer Bildlichkeit als normal und akzeptabel erscheint, in den Realraum unserer Lebenswelt übertrüge?" Seine Werke führen uns die Antwort vor Augen: eine starke Gefühls reaktion voll abgründigen Schreckens und unstillbarer Faszination.
Die von der Kunsthalle Tübingen organisierte bislang größte Überblicksausstellung Pennys und seine erste Museumsschau in Europa umfasst ungefähr vierzig zum Teil überlebensgroße Skulpturen sowie eine Reihe von Fotoprints. Die Schau nimmt Bezug auf die Geschichte des Ausstellungsortes: 1972 wurde in der Kunsthalle Tübingen der New Yorker Künstler George Segal gezeigt, der sich mit seinen gipsernen Körperabgüssen im Sinne eines sozialkritischen Realismus von der abstrakten Plastik abwandte. Ihm folgte 1991 Duane Hanson, der mit seinen bemalten Polyesterharzfiguren als Begründer der hyperrealistischen Plastik gilt. Abermals zwanzig Jahre später wird nun mit Penny ein Bildhauer präsentiert, der diese Entwicklung auf den Höhepunkt getrieben und in gewisser Hinsicht auch zum Abschluss gebracht hat. Nach der Präsentation in Tübingen wird die Ausstellung auch im Museum der Moderne in Salzburg (Österreich) im Museo delle Arti Catanzaro (Italien) und in der Art Gallery of Ontario in Pennys Heimatstadt Toronto in Kanada zu sehen sein.














