KUNSTHALLE TÜBINGEN
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AUSSTELLUNGEN IM JAHR 2012 (Auswahl)

SCHRIFTGRÖSSE 12 

Beuys  Warhol  Polke & Co
40 Jahre Kunsthalle Tübingen

11. Februar bis 10. Juni 2012

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Kunsthalle Tübingen wurde mit der Ausstellung Cézanne Renoir Picasso & Co an die großen Publikumserfolge erinnert. Die zweite Jubiläumsschau Beuys Warhol Polke & Co soll nun die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die Kunsthalle von Beginn an auch ein Ort internationaler Avantgardekunst war. Nicht immer wurde dies vom PubIikum goutiert. In den 1970er Jahren fühlten sich viele Tübinger von den »Narrenstreichen« des Kunsthallenleiters Götz Adriani »verkohlt«. Eine »Bürgerinitiative gegen Missbrauch der Kunsthalle« gründete sich, der Gemeinderat diskutierte kontrovers über das »künstlerische Niveau« und das Schwäbische Tagblatt schlug vor, das Haus am Philosophenweg lieber mit »Tischtennisspielen« oder »Beat-Band«-Konzerten zu füllen. Aus heutiger Sicht stellt sich vieles anders dar. Die damals gezeigten Künstler haben längst als herausragende Vertreter ihrer Zeit einen Platz in der Kunstgeschichte erhalten, und Adriani wurde jüngst zum Ehrenbürger der Stadt Tübingen erkoren.

Mit Beuys Warhol Polke & Co werden einige Zeitgenossen aus der Ära des Gründungsdirektors beispielhaft herausgegriffen und in Beziehung zueinander gesetzt. Bestimmendes Moment ist die Gegenüberstellung deutscher und amerikanischer Positionen. Der soziale Plastiker Joseph Beuys wird als wichtigster deutscher Künstler mit einer Auswahl von 17 Arbeiten auf Papier gewürdigt, die eine eigenständige kleine Retrospektive über 30 Schaffensjahre darstellt. Noch prominenter vertreten ist sein amerikanischer Gegenspieler Andy Warhol mit 27 Arbeiten, die eine Zeitspanne von 1953 bis 1986 umfassen: neben frühen Zeichnungen und Monotypien des jungen Werbezeichners der 1950er Jahre finden sich Stücke aus seinen wichtigstenfrühen Pop-Art-Serien, etwa Campbell's Soup Can oder Disaster und Early Self; mitzwei Cars-Bildern und Six Self-Portraits sind auch Arbeiten zu sehen, die kurz vor seinem Tod entstanden sind. Eine Mittlerposition zwischen dem kapitalismuskritischen Beuys und dem politisch indifferenten Warhol nimmt der Ironiker Sigmar Polke ein. Er ist mit insgesamt 15 teils sehr großformatigen Arbeiten in der Ausstellung, darunter so berühmten Werken wie Moderne Kunst und Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen! oder Freundinnen. Zehn der Polke-Bilder waren auch Teil der ersten Retrospektive, die ihm 1976 in der Kunsthalle Tübingen gewidmet wurde. Weitere Amerikaner sind mit Arbeiten auf Papier dabei: so die Pop-Art-Künstler Robert Rauschenberg und Claes Oldenburg sowie der Konzeptkünstler Bruce Nauman. Von deutscher Seite kommen hinzu: der Nachkriegssurrealist Konrad Klapheck mit einer Zeichnung; die Begründer konzeptueller Fotografie Bernd und Hilla Becher mit Förderturm-Arbeiten; der jung verstorbene, von der Pop-Art inspirierte Konzeptkünstler Peter Roehr mit einer seriellen Arbeit; der Prozesskünstler Franz Erhard Walther, der als erster Zeitgenosse 1972 in der Kunsthalle ausstellte, mit einem Handlungsbuch und vier Körperformen; sowie Anselm Kiefer, dessen zentrale Werkgruppe der Bücher erstmals 1990 in der Kunsthalle Tübingen öffentlich Berücksichtigung gefunden hat. Der italienische Konzeptkünstler Piero Manzoni ergänzt mit seiner berühmten, in einer Konservendose verpackten Künstlerscheiße ebenso die Schau wie der britische Pop-Art-Künstler Richard Hamilton mit sechs Arbeiten auf Papier, darunter auch Hamiltons epochale Collage Just what is it that makes today's homes sodifferent, so appealing?, die als Fanal der Pop-Art gilt und 1974 anlässlich einer Hamilton-Retrospektive für die in der Kunsthalle Tübingen beheimatete Sammlung Zundel erworben werden konnte.

Mit Beuys Warhol Polke & Co wird ein Rückblick auf den zeitgenössischen Aspekt der Ausstellungsgeschichte der Kunsthalle Tübingen geboten, der an den spannungsreichen Einzug internationaler Avantgardekunst in die Universitätsstadt erinnert - und überdies eine konzentrierte Zusammenschau einer von Pop-Art, Fluxus, Minimal Art und Konzeptkunst geprägten Epoche bietet.

Täglich (außer Montag)
10.00 bis 18.00 Uhr

Dienstag
10.00 bis 19.00 Uhr

Regulär: 9 €
Ermäßigt: 7 €
Schüler: 3 €

im Klassenverband:
2 € pro Schüler

Öffentliche Führungen
Samstag, 15.00 Uhr
Dienstag, 17.30 Uhr
Teilnahmegebühr pro Person: 2,50 € zzgl. Eintritt

Führungen nach Voranmeldung
Telefon 07071 / 96 910 (vormittags)
fuehrungen (at) kunsthalle-tuebingen.de

Gruppenführungen (45 Min.):
Dienstag bis Freitag: 50 € zzgl. Eintritt
Samstag, Sonn- und Feiertag: 60 € zzgl. Eintritt

Führungen für Schulklassen:
Schülerführungen (45 Min.): 38 € zzgl. Eintritt
Schülerführungen mit Kunstpraxis (90 Min.): 55 € zzgl. Eintritt und Materialkosten

Freitag, 24. Februar, 27. April und 25. Mai 2012, jeweils 16.30 Uhr
Kuratorenführung mit Körperhandlung
Führung von Daniel J. Schreiber mit der Möglichkeit zum prozesskünstlerischen Selbstversuch für die Teilnehmer: Franz Erhard Walther Körperformen werden von der Lagerform in die Handlungsform überführt. Teilnahmegebühr pro Person: 2,50 €, zzgl. Eintrittspreis

Sonntag, 4. März 2012, 11 Uhr
Think Rich, be Poor
Andy Warhol und Joseph Beuys als Marketing- Ikonen
Vortrag von Jürgen Wertheimer
Eintritt für den Vortrag: 5€
Ermäßigter Eintritt in die Ausstellung am 4. März 2012 für alle Besucher des Vortrags

Sonntag, 22. April 2012, 11 Uhr
Protest, Provokation, Revolution
Franz Erhard Walther und Christian Jankowski im Gespräch
Moderation: Daniel J. Schreiber
Eintritt für den Vortrag: 5€
Ermäßigter Eintritt in die Ausstellung am 22. April 2012 für alle Besucher des Gesprächs.

Sonntag, 10. Juni 2012, 11 Uhr
Präsentation der Kinder-Kunsthalle
Öffentliche Präsentation von Arbeiten, die während der Ausstellungen
Cézanne Renoir Picasso & Co
und Beuys Warhol Polke & Co
in der Kinder-Kunsthalle entstanden sind
Ort: Werkstatträume der Kinder-Kunsthalle
Teilnahme kostenlos

Sonntag, 10. Juni 2012, 15 Uhr
Quiz! Beuys Warhol Polke & Co
Führung durch die Ausstellung mit Daniel J. Schreiber, anschließend Quiz mit Preisvergabe
Teilnahmegebühr pro Person: 2,50 €, zzgl. Eintrittspreis

 

Cézanne Picasso Polke & Co. 40 Jahre Kunsthalle Tübingen und Götz Adriani, Köln: DuMont Buchverlag, 2011, 320 Seiten, davon über 175 Farbtafeln, mit einem Vorwort von Hans J. Baumgart und Textbeiträgen von Heiner Bastian, Frieder Burda, Boris Palmer, Martin Roth, Daniel J. Schreiber, Albrecht Schröder, Werner Spies, Peter Weibel.

Sonderpreis für Ausstellungsbesucher 29 Euro.

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